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Die Samaingemeinschaft – Ein Leben in VerbindungGemeinschaft 2020

Samain war das wichtigste Fest im Jahreslauf unserer Vorfahren, der Kelten. In der Nacht vom 31.Oktober zum 1. November trafen sie sich in dem Versuch, in symbolischen Handlungen die Gegensätze zu vereinen, die verschiedenen Elemente zu versöhnen, das Gleichgewicht in der Welt zu erkennen. Die Samainnacht schaffte Raum für ihre Sehnsucht nach Heil-Sein, um dann wieder auseinander zu gehen, ausgesöhnt mit unserer Erbärmlichkeit, demütig, humorvoll, milde, menschlich, bescheiden, in dem Wissen, dass der Traum vom Eins-Sein immer wieder in die Einseitigkeit stürzen muss. Samain beschreibt eine innere Haltung, uns mit allen Aspekten des menschlichen Seins anzufreunden und auszusöhnen. Diese Sichtweise eines Naturvolkes beeindruckt uns.

Die Anfänge der Samainarbeit reichen mehr als 40 Jahre zurück. Über die therapeutische Arbeit des Visionärs und Psychotherapeuten Sepp Schleicher lernten sich Menschen kennen, die auf der Suche nach einem erfüllteren Leben an seinen Seminaren oder Gruppen teilnahmen. Neben der Psychotherapie legte er besonderen Wert auf den gruppentherapeutischen Prozess in seinen Seminaren und Wochengruppen. Der Gemeinschaftsgedanke, die gegenseitige Hilfe in allen Lebenslagen und die Freundschaftspflege waren wesentliche Schwerpunkte seiner Arbeit. Er war überzeugt, dass die Seele nur dann heilen kann, wenn der Mensch wieder aus der Vereinzelung herausgeholt wird und Werte von Miteinander, Mitgefühl und gegenseitiger Hilfe zu schätzen lernt. Auf diesem Hintergrund erwuchsen stabile Freundeskreise, die sich gegenseitig halfen und unterstützten, füreinander einstanden, wenn der Einzelne in Schwierigkeiten war, gemeinsame Unternehmungen starteten, sich austauschten und miteinander feierten.

Ein weiterer wesentlicher Aspekt der therapeutischen Arbeit ist die Verbindung zur Natur. Sepp, der selber seit 45 Jahren mit seinen Tieren auf einem Einödhof lebt, wusste aus eigener Erfahrung, wie wesentlich und heilsam das regelmäßige Sein in der Natur ist, und wie sehr der moderne Mensch des 21. Jahrhunderts darunter leidet, keinen Kontakt mehr zur Erde und den Tieren zu haben, keine Verpflichtung anderen Mitgeschöpfen gegenüber eingehen zu müssen. Neben seinem unermüdlichen Bestreben, seine Klienten zu menschenwürdigeren Lebensformen auf dem Land und in Wohngemeinschaften zu unterstützen, integrierte er nach einigen Jahren seine Erfahrungen mit den Islandpferden in seine therapeutische Arbeit und begann jährliche Sommerseminare anzubieten, in denen neben der psychotherapeutischen Arbeit das Pferd als Heiler mit einbezogen wurde.

Der Kontakt zu den Pferden und das Miteinander-Sein in der Natur veränderte erneut das Lebensumfeld vieler Gruppenmitglieder. Es entstanden Weidegemeinschaften zwischen denen, die sich eigene Pferde angeschafft hatten. Gemeinsame Ausritte und Zusammenkünfte auf den Weiden, Grillfeste, Sitzen am Lagerfeuer, Übernachten in der Natur bei den eigenen Pferden gehörten jetzt zu einer neuen Lebensqualität. Vor allem die Verantwortung für ein eigenes Pferd brachte eine immense Tiefe in das Leben der neuen Pferdebesitzer. Je befriedigender das Lebensumfeld wurde, umso drängender stellte sich die Frage nach einem beruflichen Umfeld, in dem man sich ausdrücken und verwirklichen konnte. Viele wagten nun den Sprung in neue, lebensnähere und menschlichere Arbeitsplätze oder in die Selbständigkeit. Immer deutlicher konnte man sehen, dass die Seele nicht an irgendwelchen psychischen Krankheiten leidet, sondern die Menschen immer glücklicher und zufriedener wurden, je mehr sich ihr Lebensumfeld und ihre Lebens- und Arbeitsqualität verbesserten.

Während der Sommerseminare wurde die heilende Wirkung des Lebens in der Gemeinschaft deutlich. Ähnlich wie Naturvölker viele psychische Erkrankungen gar nicht kennen, weil sie sich eingebunden in ihre Lebensgemeinschaft fühlen, stellten die Teilnehmer oft fest, dass viele Ängste und Probleme sich von alleine lösten durch dieses Miteinander Sein. Die Rückkehr in die Vereinzelung wurde immer unerträglicher und lebensfeindlicher erlebt. Und der Wunsch nach einer gemeinschaftlichen Lebensform nahm mehr und mehr Gestalt an.

„ In der Tiefenökologie fragen wir, ob die gegenwärtige Gesellschaft menschliche Grundbedürfnisse wie Liebe, Sicherheit und Zugang zur Natur befriedigt. Wenn Menschen geholfen wird, sich auf positive Art und Weise mit der Natur zu identifizieren, wenn sie tief in ihrer Seele erfahren, dass sie ein Teil der Natur sind, dann bedeutet handeln zum Schutz der Natur kein Opfer mehr, es ist selbstverständlich, wie die Verteidigung des eigenen Lebens.“ Theo Gottwald, Tiefenökologe

Durch die langjährige und konsequente Arbeit an der eigenen Psyche wuchs zudem ein enormes Potential an therapeutischen Fähigkeiten und ökologischem Bewusstsein. Das Bedürfnis, erworbenes Wissen an andere weiter zu geben, mündete in die Ausbildung zum Samaintherapeuten. Eine Reihe hochqualifizierter Menschen sind aus diesen Ausbildungsgruppen inzwischen hervorgegangen, deren Angebote sich hier in unserem Programmteil wiederfinden.

Seit 2001 nun gibt es den Samainhof, mit dem sich die jahrelange Vision von Sepp Schleicher und der Menschen aus dem Samainkreis verwirklicht hat. Nachdem der Bau der Häuser abgeschlossen war, begann sofort ein reiches therapeutisches Kursangebot zu entstehen. Auch der Traum von einer inklusiven, generationenübergreifenden, naturverbundenen Lebensgemeinschaft und –schule ist Wirklichkeit geworden. Die Tiere sind ein wesentlicher Bestandteil des Lebens. Zum Hof gehören 80 Islandpferde, 4 Esel, Ziegen, Pfauen, Katzen, ein Hund, viele Hühner und eine kleine Herde schottischer Hochlandrinder. Der bewusste und achtsame Umgang mit der Natur und mit ihren Ressourcen spielen am Samainhof eine große Rolle: Das Gemeinschaftshaus wurde in Stroh–Lehm-Bauweise errichtet. Der Hof wird über Hackschnitzelheizungen versorgt. Mehrere Zisternen speichern Brauchwasser. Und die Warmwasserbereitung erfolgt über eine Solaranlage. Für 12 weitere Bewohner wurde ein „Sonnenhaus“ errichtet, ein Niedrigenergiehaus, dessen Jahres-Primärenergiebedarf von 5 bis 15 kWh pro m² Gebäudenutzfläche den eines Passivhauses mit Klimakompaktgerät oder elektrischer Wärmepumpenheizung etwa um das Vierfache unterschreitet. Mit seinen über 600 qm Wohn- und Nutzfläche war es das größte Sonnenhausprojekt in Deutschland und das erste im Landkreis Neumarkt. Markus Heinrich, seit 30 Jahren Experte auf dem Gebiet erneuerbarer Energien, hat dieses Projekt mit seiner Heizungsbaufirma realisiert und berät Sie gerne. Im Sonnenhaus befindet sich unser schönes, lichtdurchflutetes Café. Ein großer Teich mit Schilfgürtel klärt das Wasser aus den Versickerungsgräben und wurde als Biotop und Lebensraum für Pflanzen und Tiere angelegt. Ein 5 Meter breiter Hecken– und Baumgürtel umspannt den Hof und bietet Lebensraum für viele Vögel und Insekten und integriert alte heimische Hecken und Obstbäume wieder ins Landschaftsbild.

Die wichtigste Grundlage des Zusammenlebens am Samainhof ist das gemeinsame Wachsen, das sich Anschauen und Spiegeln lassen, die intensive Selbsterfahrung mit verschiedenen Formen der Psychotherapie. Neben der regelmäßig stattfindenden Hof-Supervision, in der Konflikte der Samainlebensgemeinschaft geregelt werden und an der Weiterentwicklung des Gesamtprojektes gearbeitet wird, sind die Psychotherapie-Seminare von Sepp das Herzstück der Samainarbeit. Diese Bereitschaft, sich immer wieder rückhaltlos zu zeigen, immer wieder um den Kontakt zu sich und zu den anderen zu ringen, ist die Grundbedingung für jeden, der am Gemeinschaftsleben teilhaben oder sein Pferd hier einstellen möchte. Die meisten Lebensgemeinschaften zerbrechen über kurz oder lang, weil die Bereitschaft zur regelmäßigen Supervision fehlt, und unausgetragene Konflikte und Machtkämpfe die Arbeit derer zunichtemachen, die liebevoll einem größeren Ganzen gedient hatten. Dass die meisten Mitbewohner sich seit mehr als 30 Jahren kennen, miteinander arbeiten und im Frieden miteinander leben, ist der beste Beweis, dass dieses Konzept erfolgreich ist.

Die von allen geschätzte freundliche Atmosphäre hier am Samainhof, in der jeder bemüht ist sein Bestes zu geben, in Freundschaft zu leben, in innerem Frieden mit sich zu sein und das Leben zu feiern, ist nur durch diese konsequente Arbeit möglich geworden. Die Liebe zum Dasein, zur Natur ist das, was den Hof und seine Bewohner beseelt. Jeder bringt hier ganzen Einsatz und gibt alles, was er hat. Bestens qualifizierte Menschen, oft mit mehreren Zusatzausbildungen, schaffen diese einzigartige Atmosphäre, in der jeder Besucher unmittelbar in Berührung mit seinem Potential, mit seinen Sehnsüchten und Träumen, aber auch mit seinem Weh kommt. Was hier geschaffen wurde ist ein Leben in Verbundenheit, ein Weg aus der Getrenntheit und Vereinsamung hinein in ein Leben des Miteinanders und des Mitleidens. Wenn man heute auf die Hofanlage blickt, könnte der eine oder andere denken, dass wir reich sind. Wahr ist aber, dass wir Schulden haben bei der Bank, und dass jeder von uns einen großen Teil seines Ersparten in den Hof investiert hat. Das hat aber nur zur Hälfte gereicht. Für die andere Hälfte haben wir größere Kredite aufgenommen, die jeder von uns monatlich abzahlen muss. Darüber hinaus gehört uns der Hof gar nicht mehr. Wir haben ihn der Samain-Stiftung geschenkt, deren Ziel es ist, alles an die kommende Generation weiterzugeben.

Insgesamt besteht der Kreis von Menschen, die die Samainidee unterstützen und weiter tragen, aus mehr als 70 Menschen. Die Bewohner der Hofgemeinschaften in Vilshofen/Niederbayern und in Arnleithen in der Fränkischen Schweiz gehören seit vielen Jahren zum Samainkreis und sind mit ihren Angeboten in unserem Samainhofprogramm vertreten.

Besonders einschneidend waren natürlich die neuen Lebensumstände, verursacht durch die Corona-Pandemie. Für unsere Lebensgemeinschaft war dies jedoch eine Zeit des dankbaren Erlebens des Paradieses, das wir uns geschaffen haben. Viele waren plötzlich zu Hause und hatten Homeoffice. Und so war durch das Wegfallen der öffentlichen Angebote plötzlich wieder eine Atmosphäre von reinem Gemeinschaftsleben und einem tiefen Heimatgefühl, welches uns mit großer Dankbarkeit erfüllt. Der unmittelbare Kontakt zu unseren Pferden, zur Natur, und zu den Freunden ermöglicht uns eine Atmosphäre von Geborgenheit und Erdverbundenheit. Eine wunderschöne Stille umgab den Hof. Und die Pflanzen, Bäume und der Himmel traten in einer Klarheit und Reinheit zum Vorschein die uns alle nährte und tief erfüllte.

Biobäckerei und Gartengruppe
Den Gemeinschaftsgeist und die Unterstützung durch die Mitbewohner in schwierigen Lebensumständen durfte sowohl das Café als auch unser Reitbetrieb dankbar erleben. Durch regelmäßige Essensbestellungen der Hofbewohner konnte sich das Café auch in Coronazeiten über Wasser halten. Und selbstverständlich wurden ab sofort auch nur noch Brot und Semmeln bei unserer Bio-Bäckerei gekauft. Auch die ausfallenden Reitangebote hielten sich durch die Freunde im Rahmen, da viele die Reitschule unterstützten, indem sie ihre Pferde zum Einfahren oder zum Beritt gaben, was der Reitschule kostbare Einnahmen ermöglichte und gleichzeitig neue Kutschpferde hervorbrachte, die neuerdings vor der Kutsche laufen.
Besonders freut uns unsere Hofbäckerei, die die Hofgemeinschaft mit unglaublich guten und hochwertigen Broten und Semmeln in Bio- und Vollkornqualität versorgt. Dank unserem gelernten Bäcker Manuel, der seit 2019 mit am Hof lebt, war die Durchführung für unsere Cafébetreiberin ein Kinderspiel.

Auch eine Gartengruppe hat sich im vergangenen Jahr gebildet. Wir konnten schon in den Genuss der ersten selbstgezüchteten Salate und Gemüsesorten kommen. Wir hoffen sehr, dass wir die Zeit und die Möglichkeiten finden, diesen Bereich noch viel mehr auszubauen. Nichts freut uns mehr, als wenn wir selbst angebaute Nahrung zu uns nehmen können. Unsere Rossberghofer Freunde haben es im vergangen Jahr schon weit gebracht, konnten sie doch schon einen Großteil ihrer Mahlzeiten mit eigenem Gemüse bestreiten. Mit dem Fleisch von den eigenen Hochlandrindern und den Eiern der eigenen Hühner kommen unsere Hofgemeinschaften da einem Traum von Selbstversorgung durch hochwertige Nahrungsmittel, die auf eigenem Land und mit liebevoller Energie gezogen werden, ein gutes Stück näher. Deshalb freuen wir uns ganz besonders, dass wir viel Land dazubekommen - fast 12 ha. Vielleicht finden wir ja im neuen Jahr die Möglichkeit, noch mehr Gartenflächen zu bewirtschaften.
Zudem zeigt es uns, dass uns viel Respekt und Akzeptanz von den Landwirten entgegengebracht wird, da wir unsere Wiesen nachhaltig und ökologisch pflegen.

Nach der Buchveröffentlichung „Mann und Frau“ im vergangenen Jahr veröffentlichte die Samain-Stiftung in diesem Jahr ein Buch über das Leben in Gemeinschaft mit Texten aus den Psychotherapieseminaren von Sepp Schleicher der letzten 20 Jahre. Anlässlich seines Geburtstags haben alle Mitglieder der Samainlebensgemeinschaft Text-Beiträge beigesteuert, in denen sie auf berührende Weise vermitteln, wie das Leben in Gemeinschaft ihr Leben verändert, bereichert und erfüllt hat. Ein kostbares Geschenk für alle, die sich tiefer mit dem Thema Gemeinschaft beschäftigen möchten. Sie können das Buch bei uns für 30,- € erwerben. Die Hälfte des Kaufpreises geht an die Samain-Stiftung. Es freut uns, dass immer mehr Menschen im vergangenen Jahr Interesse an unserem Gemeinschaftsleben zeigten, Gemeinschaftsseminare besuchten oder eine Zeit lang mit unserer Hofgemeinschaft lebten.

Unser Round-Pen (Rundhalle) - ein Projekt der Samain-Stiftung - ist zu einer zentralen Einrichtung am Hof geworden, in der viele berührende Begegnungen von Mensch und Pferd, vor allem in der Arbeit mit Behinderten, stattgefunden haben.
Diese Arbeit ist unserer Meinung nach nicht weniger tief greifend als z.B. die Arbeit mit Delfinen – nur dass die Arbeit mit den Pferden wesentlich günstiger und einfacher zu verwirklichen ist. Pferde haben eine unglaubliche Liebe für geistig und körperlich beeinträchtigte Kinder und wenden sich ihnen mit einer Liebe und Güte zu, die zu Tränen rührt. Ein großer Erfolg ist es für uns, dass diese kostbare Arbeit im letzten Jahr durch den Bezirk der Oberpfalz anerkannt wurde. Dies bedeutet, dass die Kosten über den Bezirk abgerechnet und nun auch von einkommensschwächeren Menschen in Anspruch genommen werden können.

Durch die Corona-Pandemie fanden zudem einige unserer Psychotherapie–Seminare dort statt – da die Halle die notwendigen Abstände ermöglichte und immer Frischluft zur Verfügung steht. Für die Seminarteilnehmer wurde sie zu einem wahren Tempel, in dem viel tiefe innere Arbeit stattgefunden haben. Eingehüllt von den Geräuschen der Natur und der Pferde entfaltete sich dieser Raum zu einem wahren Herzstück der Hofanlage.

Auch für unser Stiftungsprojekt Zirkus Samainetti bot die Rundhalle wieder die ideale Manege, für die der Samainhof seine Esel und Pferde zur Verfügung stellt, um Kindern über das Zirkusprojekt Gelegenheit zu bieten in spielerischer Form ihre Begabungen und Talente zu finden und mit gestärktem Selbstbewusstsein und spielerischer Begeisterung dem Sog der Medien zu entkommen.

Geplant sind Reitangebote in unserer Rundhalle für Menschen mit Multipler Sklerose. Wie Forschungen zeigen, gehört Reiten zu den heilsamsten Sportarten für MS Erkrankte. Leider musste die Tagung der Ehrenamtlichen der DMSG-Gruppe Regensburg wegen Corona ausfallen.

Im Natur- und Waldkindergarten erleben die Kinder unter freiem Himmel mit all ihren Sinnen die Jahreszeiten, die Tiere, den Wald mit seinen Bäumen und Pflanzen, Wiesen und Felder, Erde und Steine. Wie wichtig die Angebote des Natur- und Waldkindergartens für die Kinder sind, belegt unter anderem eine neurobiologische Studie, aus der hervorgeht, dass die so genannte Hyperaktivität eine Zivilisationskrankheit ist. Unsere Umwelt ist dem natürlichen Energiefluss eines Kindes nicht mehr gewachsen. Statt ihm Ausdrucksmöglichkeiten zu verschaffen, schränken wir im Zeitalter von Computer und Handy den natürlichen Bewegungsdrang der Kinder stark ein und erzeugen so Symptome wie die der „Hyperaktivität“. Dieser Hilferuf der kindlichen Seele wird dann häufig mit Medikamenten wie Ritalin zum Schweigen gebracht. Die überbordende und freudige Lebensenergie von Kindern wird unterdrückt und „beruhigt“ und zur Krankheit erklärt. Im Natur- und Waldkindergarten finden die Kinder unerschöpfliche Möglichkeiten ihren Bewegungsdrang zu stillen und ihre natürliche Lernbereitschaft und Neugierde zu entfalten. Die langjährige Erfahrung zeigt, dass Schulkinder, die unseren Kindergarten besucht haben, mühelos zu selbstbewussten, kreativen und intelligenten Menschen heranreifen, die auch in der Schule bestehen. Wie spielerisch die Integration von Kindern anderer Nationalitäten gelingt, zeigt der Besuch von amerikanischen Kindern des nahe gelegenen Truppenübungsplatzes Hohenfels. Ganz leicht finden die Kinder Möglichkeiten sich jenseits der Sprache zu verständigen.

Ein großartiges Team von Kindern und Jugendlichen, welches seine Freizeit bei seinen Pflegepferden und am Hof verbringt, unterstützt die Arbeit auf dem Samainhof. An den Schnuppersonntagen sind sie da und ermöglichen Kindern und Neulingen die Freude auf dem Rücken der Pferde oder begleiten ängstliche Reiter bei Ausritten. Sie sind immer da, wenn sie gebraucht werden, entwickeln sich zu brillanten Reiterinnen und haben eine erfüllende Aufgabe gefunden, mit der sie sich ganz nebenbei die Teilnahme an Reitstunden ermöglichen. Wie wichtig der Zugang zu den Pferden und der Natur für sie ist, hat sich während der Corona-Pandemie ganz besonders gezeigt.

Die intensive Zusammenarbeit mit der forensischen Klinik Regensburg währt fort: Seit acht Jahren kommen Patienten der Klinik an den Hof und nehmen an der therapeutischen Pferdearbeit im Picadero unter der fachkundigen Anleitung von Ursula Wohlfahrt teil. Durch die einfühlsame Anleitung und Reflexion wird eine intensive Auseinandersetzung mit der eigenen Problematik möglich, wodurch tiefe therapeutische Prozesse in Gang kommen. Auch hier beobachten wir, wie stark die Natur und die Tiere wirken, und wie groß das Bedürfnis nach Bodenhaftung und nach einfacher, konkreter Arbeit bei allen Beteiligten ist.

Die Integration von jungen Menschen mit schwierigen sozialen Hintergründen ist bei zwei jungen Männern zu unserer Freude besonders gut gelungen. Ein erfolgreicher Start in ein künftiges Berufsleben fand zum einen in der Solar- und Heizungsbaufirma von unserem Vorstand Markus Heinrich statt, in der eines der Pflegekinder eine Lehre zum Anlagenmechaniker aufgenommen hat und sich mit großem Engagement einbringt und engagiert. Auch die Wiedereingliederung eines jungen Bäckers ist gelungen. Als Hofbäcker fühlt er sich gebraucht und anerkannt für seine Fähigkeiten.

Der ausgewiesene Spezialist für Menschen mit Bindungsstörungen, Herr Scheurer-Englisch, begleitete von Beginn an die Pflegeeltern in Supervisionen bei Ihrer Arbeit. Bei einem Besuch auf dem Samainhof war er sichtlich bewegt und äußerte mehrfach den höchsten Respekt für die großartige Arbeit, die das therapeutische Gesamtkonzept des Samainhofes ermögliche. In seiner jahrelangen Tätigkeit habe er eine so grundlegende Veränderung bei Kindern mit Bindungsstörungen nie erlebt. Wir sind zutiefst davon überzeugt, dass wir mit unseren Möglichkeiten Heimat und Lebensbegleitung für junge Menschen mit schweren Lebenshintergründen bieten können und hoffen sehr, dass es noch weiteren Jugendlichen möglich gemacht wird, hier am Samainhof leben zu können.

Die Samainreiter – unser neues junges Nachwuchs-Team
Ein junges Team hat sich mit großem Engagement zusammengefunden, um vor allem Kindern und Jugendlichen unvergessliche Freizeitangebote mit unseren Logo Samainreiterteam
Islandpferden und inmitten der Natur zu ermöglichen. Erstmals startete das Team im vergangenen Jahr mit der Kinder- und Jugendfreizeit während der Sommerferien. Mit 22 Teilnehmern wurde die Freizeit ein Riesenerfolg. Mehr als die Hälfte der Kinder haben sich sofort für die nächste Freizeit angemeldet. Inzwischen finden wegen der großen Nachfrage bereits zweiwöchige Freizeiten statt. Und auch in den Weihnachtsferien wird es ein zusätzliches Freizeitangebot geben. Wir freuen uns sehr, dass unser Traum von der Weitergabe unserer Samainarbeit an die nächste Generation sichtbar gelungen ist und wir Alten uns ein wenig zurücklehnen können und uns an der frischen Energie der jungen Leute erfreuen dürfen, die sichtlich den Bedürfnissen der jungen Generation in besonderer Weise gerecht werden. Viele der Jugendlichen träumen in solchen Zeiten von einem Leben, wie es am Samainhof gelebt wird, und nehmen hungrig alle Anregungen und Bilder auf, die ihnen ihre jungen Kursleiter mitgeben. Wir nehmen wahr, dass da eine Generation heranwächst, die auf der Suche nach neuen Lebensformen ist und die sich nach einem Leben mit Tieren und in der Natur sehnt.

Besonders freuen wir uns mit Laura, die in diesem Jahr erfolgreich ihren Trainer C bestanden hat. Sie ist gerade für die junge Generation ein großes Vorbild und steckt mit ihrer Begeisterung und ihrer Liebe zu den Pferden alle an. Gut, dass es so viele Eltern gibt, die Ihren Kindern diesen heilsamen Ausgleich zu den übermäßigen Leistungsanforderungen der Schule gönnen und ermöglichen. Es gibt nichts Besseres, als durch einen warmen Pferdekörper und die Bewegungen eines Pferdes vom Kopf in den Körper geholt zu werden. Und man sieht es den weichen und glücklichen Gesichtern der Kinder an, wie wohl ihnen das tut.

Neben den Freizeiten mit Pferden sind vor allem die wildnispädagogischen Freizeiten sehr gefragt. Das Besondere ist hier der kontinuierliche Aufenthalt in der Natur. Mehrere Tage verbringen die Kinder ihre Zeit im Wald, wo auch unser Baumhaus gebaut wurde. Sie übernachten unter freiem Himmel oder bei Regen im Baumhaus, entfachen sich zum Frühstück ein Feuer, an dem sie sich ihren Tee warm machen, und entdecken den ganzen Tag die Wunder, die die Natur dem schenkt, der sich Zeit nimmt, ihr zu lauschen und Zeit in ihr zu verbringen.

In dem Bemühen, Elemente der klassischen Reitkunst mit dem professionellen Gangpferdereiten zu verbinden, nehmen unsere Reitlehrer seit vielen Jahren Unterricht bei ausgewiesenen Spezialisten wie Michel Becker, Bea Borelle, der Frau von Phillippe Karl, dem Begründer der Schule der Légèreté, und erhalten viel Anerkennung für das hohe Niveau der Pferde und das reiterliche Können der Teilnehmer vom Samainhof. Für die Reitschüler bedeutet der Reitunterricht hier am Hof Lernen auf höchstem Niveau und immer schönere Erfahrungen von Einheit zwischen Reiter und Pferd. Danke an alle Lehrer, die keine Mühen und Kosten sparen ihr Wissen zu erweitern und an uns weiterzugeben. Und danke an alle Züchter, die mutig neue Wege gehen und uns dadurch großartige Nachzucht schenken.

Mit zwei neuen Hengsten, die auf dem Rossberghof eingezogen sind, ist das Zuchtniveau unserer Höfe noch einmal enorm angestiegen. Beide Hengste haben hervorragende Nachzucht vorzuweisen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass in diesem Jahr gleich 10 Stuten bei Leiri und Albert zum Decken waren. Wir sind unglaublich gespannt auf die zu erwartende Nachzucht und freuen uns schon jetzt auf die Fohlenbeurteilung im nächsten Jahr, die mit Sicherheit auf dem Samainhof stattfinden wird. Wie tief Freundschaft auf dem Hof gelebt wird, zeigt die Bereitschaft, die eigenen Schätze für sehnsüchtige Freunde zur Verfügung zu stellen, damit Fohlenwünsche auch für die wahr werden, die keine Stute besitzen. So kamen zwei Frauen aus dem Kreis in den Genuss einer Leihmama und freuen sich wie verrückt auf ihren Nachwuchs.

Schon in diesem Jahr fand die Fohlenbeurteilung auf dem Samainhof statt. Die Mitarbeiter des IPZV zeigten sich beeindruckt von der liebevolle Aufzucht und der sorgfältigen, kompetenten und fachkundigen Präsentation der Fohlen und waren dankbar für unsere schöne Halle und dem liebevollen Ambiente, die einen würdevollen Rahmen für die Fohlenbeurteilung bot.

Die Kurse mit Günther Fröhlich, des über Deutschland weit hinaus bekannten Friesenpapstes und Veranstalters der international bekannten Pferdeshow „Zauberwald“, finden nun schon das siebte Jahr statt. Alle Kutschfahrer kommen in den Genuss seines genialen Unterrichts. Der Samainhof verfügt inzwischen über sage und schreibe zwölf Kutschengespanne mit hervorragend restaurierten traditionellen Kutschen. Und dank Günthers Unterricht wächst das Können Aller mehr und mehr. Unter großer Anteilnahme aller beteiligten Kutschkursteilnehmer gelang es Stefan Nürnberger nach langjähriger Vorbereitung einen weiteren Vierspänner zu fahren – sensationell dabei ist, dass unter den Pferden sein eigener Hengst mitläuft! Sein jahrelang erworbenes Wissen ist inzwischen soweit gewachsen, dass er nun erstmals in diesem Jahr Anfänger-Kurse anbietet, was zum einen eine enorme Bereicherung für alle Kutschfahrer bedeutet, zum anderen einen großen Traum von ihm erfüllt. Durch die coronabedingten Ausfälle bei Reitkursen und Unterrichtseinheiten entstanden unerwartete Zeiträume, die unsere Reitlehrer in die Ausbildung unserer Pferde investierten. Das hat auch dazu geführt, dass unser Fahrkunstzentrum weiter gediehen ist und wieder einige neue Kutschpferde ausgebildet werden konnten.

Leider ist unsere traditionelle mehrtägige Kutschfahrt unter Freunden der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen. Wir hoffen aber sehr, dass wir in diesem Jahr wieder durch die Lande ziehen dürfen – ganz besonders freuen sich einige neue Kutschfahrer darauf mit dabei zu sein. Wir begreifen bei diesen Fahrten, wie kostbar es ist, die eigene Heimat zu erforschen und in ihre Schönheit einzutauchen. Es ist immer eine atemberaubend schöne Fahrt, die uns überwältigt mit grandioser Natur und herrlichen Wegen. Immer sind wir tief erfreut, wie viel Unterstützung uns durch die Bevölkerung zuteil-wird. Auf der Suche nach Übernachtungsplätzen, wo wir lagern und unsere Pferde grasen lassen, treffen wir auf freundliches Entgegenkommen. Mehrere Tage kein Konsumangebot, kein Fernsehen, stattdessen unterwegs sein mit den Pferden wie zu alten Zeiten, gemeinsam lagern und schlafen gehen, wenn die Dunkelheit anbricht, das erfüllt mit tiefer Zufriedenheit und lässt alle Gier nach Ersatzbefriedigungen verschwinden.

Eines der größten Highlights war die Geburt unserer beiden Eselfohlen. Beide Eselstuten hatten am gleichen Morgen gefohlt, was einem kleinen Wunder gleichkommt. Über all die folgenden Monate haben die beiden sowohl uns als auch alle Hofbesucher mit ihrem bezaubernden Aussehen erfreut. Durch ihr zugewandtes und vertrauensvolles Wesen haben sie alle Herzen im Sturm erobert und wir freuen uns schon jetzt auf ein Eselgespann. Mit ihrem wunderschönen Stall machen sie unser Immenhofidyll vollständig. Sie begrüßen jeden großen und kleinen Besucher mit ihrer freundlichen und vertrauensvollen Art. Inzwischen bieten wir Eselwanderungen an, wo sich Jung und Alt an ihrer lebendigen Ausstrahlung erfreuen lassen können. Unverzichtbarer Bestandteil unseres Hoflebens sind unsere stattlichen Pfauen, die das Hofbild ungemein bereichern und uns täglich aufs neue beglücken, indem sie majestätisch über den Hof spazieren, sich in den Fensterscheiben bewundern, quer über den Hof fliegen und sich einen Aussichtspunkt auf den Dächern oder in den Bäumen suchen und uns am Morgen mit ihrem durchdringenden Ruf wecken.

Wieder fanden mehrere Dreharbeiten und Fernsehbeiträge zum Thema König Ludwig statt, bei denen Sepp Schleicher durch seine jahrzehntelange Beschäftigung mit dem außergewöhnlichen Leben des bayrischen Monarchen als Spezialist interviewt und gefilmt wurde.
So wurde er – zusammen mit seiner Frau Barbara und zwei seiner Pferde - von einem Filmteam zum Walchensee und zur Königshütte am Hochkopf begleitet. König Ludwig war begeisterter Reiter, der seine geliebten Berghütten am liebsten mit seinen Pferden besuchte. Und Sepp war schon vor 40 Jahren mit seinen eigenen Pferden den Spuren des König gefolgt. Zusammen mit dem ausgewiesenen König- Ludwig-Spezialisten Alexander Rauch gab es Filmaufnahmen auf dem Schachen und im Schachenschloss. Ein Interview im Deutschlandfunk und bei Wir in Bayern sowie zahlreiche Beiträge in der Füssener Heimatzeitung mit Bildern, Informationen und historischen Briefen zeigen wie hochgeschätzt sein Wissen um den Märchenkönig ist.

Durch intensive Forschungsarbeit gelingt es Sepp, die große Persönlichkeit von König Ludwig transparent zu machen und zu beweisen, dass der Monarch bis zu seinem Tod ein verantwortlicher Regent war, der mit seinem empfindsamen und friedlichen Wesen sehr viel Schönheit geschaffen und dessen große Liebe zur Natur dazu verholfen hat, dass unzählige Naturplätze von höchstem Wert geschützt und erhalten wurden.

Zufrieden blicken wir auch auf die wachsende Anzahl sehr schöner Familien- und Firmenfeiern zurück. Für Menschen, die hier gefeiert haben, ist der Samainhof zu einem Stück Heimat geworden. Sie lieben die persönliche, ruhige und herzliche Atmosphäre, die dazu einlädt, Steifheit und Konventionen hinter sich zu lassen und einfach nur Mensch zu sein, und genießen mit großer Dankbarkeit das wundervolle Essen und die warmherzige und freundliche Bedienung im Café. Sie musizieren mit eigens mitgebrachten Musikinstrumenten oder lassen sich von unseren Musikern verwöhnen. Gerne servieren wir vegetarische und auch vegane Gerichte. Es freut uns, dass Naturhochzeiten und Natur-Rituale stattfanden – ein passender Rahmen dafür, wie wir finden.

Wie immer erfüllt uns das Erlebte mit großer Dankbarkeit. Und wir sind voller Vorfreude und Spannung, was das neue Jahr bringen wird. Danke allen, die im vergangenen Jahr mitgewirkt und sich an den vielen Angeboten und Unternehmungen beteiligt haben. Es gibt so viel zu tun. Das Ausmaß der Umweltzerstörung wächst von Jahr zu Jahr. Durch die Versiegelung riesiger Flächen und den übermäßigen Einsatz von Dünge- und Schädlingsbekämpfungsmitteln kommt es zu einem Artensterben von unübersehbarem Ausmaß. Durch den suchthaften Computer- und Handygebrauch entfernen sich die Menschen und besonders die Kinder in rasender Geschwindigkeit von der Natur und verlieren jeglichen Kontakt zum Wesentlichen. Wenn nicht viele Menschen sich gerufen fühlen aufzuwachen und an einer größeren Vision mitzuwirken, wird uns sehr bald der Platz zum Leben in einer intakten Natur in aller Menschlichkeit verloren gehen.

Euer Samainhofteam

Findest Du nicht auch, es wird Zeit einen neuen Menschen zu schaffen?

Einen Menschen voller Mitgefühl und Dankbarkeit,
Einen Menschen, der die Natur bewahrt,
Und Schönheit schafft und Liebe gibt,
Der die Wunder dieser Erde bestaunt statt sie zerstört.
Wir müssen mit aller Entschiedenheit die Reste unberührter Natur erhalten.

Wir müssen durch unsere Existenz der Welt Gutes hinzufügen,
Nicht vernichten, verbrauchen und besudeln.
Mein Freund, der einzige Weg ist über Deine Seele!
Die musst Du pflegen und rein erhalten.
Seelenheil erreichen wir, indem wir uns und die Erde heilen,
Das heißt: mit allem und jedem verbunden sind,
Eingebettet in das Große und Ganze!
Nicht mehr und nicht weniger!

Sepp Schleicher


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